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 27.04.2005  13:32 Uhr
Gewinnziel bei Siemens wackelt - Partner für Handy-Sparte gesucht
LISSABON (dpa-AFX) - Nach monatelanger Unsicherheit über die Zukunft der defizitären Mobiltelefon-Sparte von Siemens hat der neue Konzernchef Klaus Kleinfeld nun einen Lösungsansatz präsentiert. Unterdessen wackelt das bisherige Gewinnziel der Münchener für das Ende September ablaufende Geschäftsjahr wegen Umstrukturierungskosten. Die im DAX notierte Aktie der Siemens AG sank bis zum Mittwochmittag vor allem wegen des Ausblicks um 2,27 Prozent auf 56,86 Euro und entwickelte sich damit schwächer als der deutsche Leitindex DAX .
Das Handygeschäft soll ausgegliedert werden, kündigte Kleinfeld am Mittwoch auf der Pressekonferenz zum zweiten Geschäftshalbjahr (Ende März) in Lissabon an. 'Ich bin sicher, dass wir nach der jetzt getroffenen Entscheidung zum 'Carve Out' in Kürze eine zweite Entscheidung treffen werden, und zwar über eine Lösung mit einem Partner oder über eine Reihe von Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette.' Siemens spreche derzeit mit möglichen Partnern. Eine Entscheidung solle schnell fallen. Namen nannte er nicht. In der Presse waren als mögliche Partner in der Vergangenheit beispielsweise die US-amerikanische Motorola , die taiwanische Acer oder die chinesische Huawei genannt worden. 'Die Marke Siemens wird weiter existieren', betonte der Konzernchef mit Blick auf die Handy-Sparte. Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger bezeichnete die Möglichkeit, dass die Münchener eine Mehrheit am Mobiltelefon-Geschäft behalten werden, als 'eher unwahrscheinlich'. Eine Schließung des Mobiltelefon-Geschäfts sei vom Tisch. Zudem betonte der seit knapp 100 Tagen amtierende Unternehmenschef Kleinfeld: 'Wir glauben nicht, dass die Braut geschmückt werden muss.' Sie sei schon attraktiv genug. Im zweiten Quartal verbuchte Siemens in seiner Handysparte den vierten Quartalsverlust in Folge. Der Absatz brach weiter ein, während der durchschnittliche Verkaufspreis auf etwa 90 Euro stieg. Zum Jahresumsatz steuerte das Geschäft mit Mobiltelefonen (Handys und schnurlose Telefone) zuletzt mit seinen etwa 10.000 Mitarbeitern nach Unternehmensangaben 5,5 Milliarden Euro bei. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte der Siemens-Konzern insgesamt 75,2 Milliarden Euro um und beschäftigte 430.000 Menschen. GEFÄHRDETES GEWINNZIEL 2004/05 Im zweiten Fiskalquartal rutschte der mit Abstand umsatzstärkste Siemens-Bereich Communications (Com), zu dem auch das Mobiltelefon-Geschäft gehört, im Jahresvergleich in die roten Zahlen. Damit sind Com und der weiter defizitäre Spezialist für Informationstechnik (IT), Siemens Business Services (SBS) die einzigen der zwölf Konzernbereiche, die im Berichtzeitraum ein Minus verbuchten. SBS verfünffachte gegenüber dem Auftaktquartal des aktuellen Geschäftsjahres seine Verluste auf 129 Millionen Euro. Die Zukunft des IT-Dienstleisters ist weiter ungewiss. Die Hälfte der zwölf Bereiche entwickelten sich nach Aussage des Konzernchefs 'ausgezeichnet'. In vier der 12 Konzernbereiche (Com, SBS, Transportation Systems, Osram) sanken die Umsätze im Jahresvergleich. Beim Ergebnis meldeten fünf der 12 Bereiche (Com, SBS, Power Generation, Power Transmission and Distribution, Medical Solutions) einen Rückgang. ORGANISCHES UND EXTERNES WACHSTUM Um seine ertragsstarken Bereiche zu verstärken und deren voraussichtlich solide Entwicklung zu unterstützen, setzt Siemens auf Übernahmen. 'Mit den angekündigten Akquisitionen werden wir die Wettbewerbsstellung dieser Bereiche zusätzlich ausbauen', sagte Kleinfeld. 'Wir stärken damit auch die Wachstumschancen des Gesamtunternehmens.' Siemens solle sowohl organisch als auch durch Zukäufe wachsen. In den vergangenen drei Monaten hatten die Münchner Akquisitionen mit einem Gesamtvolumen von etwa 3 Milliarden Euro bekannt gegeben: Den Erwerb des österreichischen Anlagenbauers VA Tech sowie die Übernahme der US-amerikanischen CTI im Bereich Medizintechnik sowie des Getriebeherstellers Flender. 'Wir bleiben auch dann am Ball, wenn uns beim ersten Anlauf etwas nicht gelingt', sagte Kleinfeld. Jüngst war der geplante Kauf des führenden russischen Turbinenherstellers Power Machines (Silowyje Maschiny) wegen dessen Rüstungssparte geplatzt. Die russischen Kartellwächter untersagten das Vorhaben. 'Präsident Putin hat mir ausdrücklich versichert, dass Siemens ein gern gesehener Partner für die russische Industrie sei, und hat uns eher zu mehr Engagement ermuntert', sagte der Konzernchef. Siemens prüfe derzeit, wie die Münchner Power Machines 'zusammen mit russischen Partnern weiterentwickeln können'. Insgesamt sei aber das organische Wachstum wichtiger als Akquisitionen, sagte der Manager. Er strebe an, alle Bereiche binnen 18 bis 24 Monaten in ihre Zielmargen-Korridore zu führen. QUARTALS- UND HALBJAHRES-ZAHLEN Im zweiten Geschäftsquartal übertraf Siemens bei den Ergebnissen die Durchschnittsprognosen der von dpa-AFX befragten Analysten und steigerte den Umsatz in etwa erwartungsgemäß um 4,3 Prozent auf 18,56 Milliarden Euro. Der Überschuss sank um 3,2 Prozent auf 781 Millionen Euro. Das Ergebnis der Bereiche kletterte um 2,0 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Beim Auftragseingang meldete Siemens einen Anstieg auf 4,9 Prozent auf 20,67 Milliarden Euro. Im ersten Geschäftshalbjahr verbuchte der Industrie- und Technologiekonzern Zuwächse. Der Auftragseingang legte um 5,0 Prozent auf 42,21 Milliarden Euro zu. Der Umsatz wuchs um 1,7 Prozent auf 36,73 Milliarden Euro. Das Ergebnis der Bereiche stieg um 3,9 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Der Überschuss schnellte um 16,2 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro hoch./sbi/cs
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