Deflation
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Unter Deflation versteht man den volkswirtschaftlichen Zustand eines allgemeinen und anhaltenden Ruckgangs der Preise fur Waren und Dienstleistungen.
| Table of contents |
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1 Auswirkungen von Deflation
1.1 Direkte Auswirkungen 2 Ursachen von Deflation
2.1 Konsum- und Investitionszuruckhaltung 3 Gegenmassnahmen
3.1 Geldpolitik 4 Deflationen in der Geschichte
4.1 Globale Deflation 1930 5 Siehe auch
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Auswirkungen von Deflation
Die Auswirkungen einer Deflation sind als ahnlich gravierend einzuschatzen wie die Auswirkungen einer starken Inflation.
Direkte Auswirkungen
Zunachst gehen von einer Deflation die entgegengesetzten direkten Effekte aus wie von einer Inflation; Schuldner werden benachteiligt, da ihre uber Kredite finanzierten Sachguter an Wert verlieren, aber sie nach wie vor den gleichen anfangs festgesetzten monetaren Wert begleichen mussen. Hingegen profitieren Glaubiger von einer Deflation, da ihr Kapital nun - zinsbereinigt - einen hoheren Wert hat als am Anfang der Periode.
Viel schwerwiegender als die direkten Auswirkungen einer Deflation durften allerdings die indirekten Folgen sein.
Indirekte Auswirkungen
Deflationen haben eine starke Tendenz zur Dauerhaftigkeit; leidet ein Land einmal unter einer deflationaren Phase, so ist die Gefahr einer selbsterhaltenden bzw. sogar selbstverstarkenden Tendenz sehr gross: Sinkende Preise fuhren zu einer merklichen Kaufzuruckhaltung der Konsumenten, da diese mit weiter sinkenden Preisen rechnen konnen. Die sinkende Nachfrage wiederum bewirkt eine niedrigere Auslastung der Produktionskapazitaten und damit weiter sinkende Preise. Diesen Kreislauf bezeichnet man i. A. als Deflationsspirale.
Ursachen von Deflation
Konsum- und Investitionszuruckhaltung
Wenn sich eine Volkswirtschaft im Abschwung eines Konjunkturzyklus befindet, reagieren die Menschen vorsichtig. Sie erwarten, dass sich ihre Einkommenslage verschlechtern wird, sie furchten um ihren Arbeitsplatz,und geben deshalb in der Erwartung eines zukunftigeren geringeren Einkommens und der daraus resultierenden Haltung der Existenzsicherung weniger aus. Eine vermehrte Zunahme der personlichen finanziellen Rucklagen setzt ein. Auch die Unternehmen halten sich zuruck. Es wird nur das Notigste gekauft und wenig investiert. Dieser Nachfrageruckgang fuhrt dazu, dass Unternehmen geringere Umsatze, also auch Gewinne, verbuchen und im Anfangsstadium rationalisieren (haufig Entlassungen) oder schliesslich, in letzter Instanz, zahlungsunfahig werden. Insgesamt sinkt nun die Gesamtguternachfrage bei ungefahr gleichbleibendem Guterangebot (Nachfragelucke oder deflationare Lucke). Niedrigere Gewinne haben noch den weiteren Nachteil, dass sie die Investitionslust der Unternehmen dampfen und damit den Teufelskreis weiter anheizen. Auch der Aktienmarkt leidet unter der Deflation, da auch die Kapitalanleger negative Erwartungen haben. Hinzu kommt, dass durch die geringeren Gewinne das Fallen der Kurse verstarkt wird.
Reduzierung der Staatsausgaben
Eine weitere mogliche Quelle fur Deflation ist der Staatssektor. Wenn eine Regierung die Staatsausgaben drastisch kurzt, etwa um das Budgetdefizit zu verringern oder einen Budgetuberschuss zu erzielen, fallt die staatliche Nachfrage auf den Markten kleiner aus, und man gelangt wieder bei gleichbleibendem Angebot zu einer Nachfragelucke.
Aussenwirtschaftliche Ursachen
Auch das Ausland kann Ausloser eines deflationsbringenden Angebotsuberschusses sein.
Erstens, wenn die Nachfrage aus dem Ausland wegbricht, weil dort die Konjunktur lahmt (beispielsweise wegen einer Weltwirtschaftskrise), so triftt dies auch die eigene Volkswirtschaft, vor allem wenn der Exportanteil gross ist.
Zweitens kann eine Aufwertung der eigenen Wahrung Ausloser der Deflation sein. Sie macht zum einen die Ausfuhren fur die auslandischen Kunden teurer. Wenn etwa der Euro gegenuber dem US-Dollar steigt, erhohen sich die Dollarpreise fur deutsche Autos in den USA und die Nachfrage nach deutschen Autos sinkt. Gleichzeitig macht die Aufwertung der Inlandswahrung Importprodukte gunstiger. Dies schlagt sich direkt im inlandischen Preisniveau nieder.
Drittens kann ein Angebotsuberschuss im Inland auch entstehen, wenn auslandische Markte sich abschotten, etwa durch Zolle oder andere protektionistische Massnahmen.
Monetare Ursachen
Nach neoklassischer Vorstellung ist Inflation immer und uberall ein monetares Phanomen (Milton Friedman). Im Umkehrschluss musste demnach auch Deflation ein rein monetares Phanomen sein. Die dahinterstehende Idee ist, dass eine restriktive Geldpolitik (Erhohung der Mindestreserve, Steigerung des Zinssatzes) uber die Quantitatsgleichung zu niedrigeren Preisen fuhren.
Doch auch nach nicht-monetaristischer Sicht fuhrt eine restriktive Geldpolitik zu Deflation, da sie (beispielsweise durch die hoheren Zentralbankzinsen) die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dampft.
Der oben beschriebene Prozess musste bei gleichbleibender oder steigender Geldmenge von einem Sinken der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes begleitet sein. Bei restriktiver Geldpolitik konnte stattdessen oder zusatzlich die Deflation mit einer geringeren Geldmenge einhergehen.
Gegenmassnahmen
Aufgrund der Gefahr einer Deflationsspirale sind Massnahmen zur Bekampfung einer Deflation extrem schwierig.
Geldpolitik
Da den Zentralbanken heute eine wichtige Rolle bei der Bekampfung von Inflation zufallt, sind sie auch bei der Bekampfung von Deflation wichtig. So ist z. B. die EZB darauf verpflichtet, Geldwertstabilitat (und somit weder De- noch Inflation) anzustreben. Ihr selbst gestecktes Preisziel sieht sie bei einem Wachstum des HVPI (harmonisierter Verbraucherpreisindex) von knapp unter zwei Prozent.
Zur Bekampfung einer Deflation greifen Zentralbanken i. A. zu Zinssenkungen. Oft fuhrt dies aber zum keynesianisch als Liquiditatsfalle bezeichneten Zustand nicht mehr weiter steigender Geldnachfrage bzw. zu Zinsen nahe am Nullpunkt. Somit kann eine expansive Geldpolitik uber die Zinsen nicht mehr erreicht werden. Als geldpolitische Gegenmassnahme verbleibt somit hauptsachlich die Offenmarktpolitik - die Zentralbank eines Landes kann am Markt befindliche Anlageformen (beispielsweise Kreditforderungen von Geschaftsbanken) aufkaufen, um somit die Geldmenge trotz Null-Zinsen weiter ausdehnen zu konnen.
Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik
Aus einer deflationaren Situation gelangt eine Volkswirtschaft vor allem durch eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik, wie sie John Maynard Keynes angesichts der Erfahrungen aus der Weltwirtschaftskrise 1930 vorgeschlagen hat. Der Staat erhoht seine Nachfrage, etwa durch Beschaftigungs- und Bauprogramme - auch auf Pump (Deficit spending) - und senkt die Steuern, um eine Initialzundung fur die Volkswirtschaft zu leisten.
Allerdings fuhren diese Massnahmen in der Regel zu stark ansteigender Staatsverschuldung (hohere Ausgaben bei tendenziell sinkenden Steuereinnahmen) und im Extremfall einer Herabsetzung der Kreditwurdigkeit des Staates, zu Kapitalexporten oder zu einer Erhohung des Realzinses fur langfristige Kredite.
Komplementargeld
Nach den Ideen von Silvio Gesell (Begrunder der Theorie der Freiwirtschaft) und aktueller Kapitalismuskritik (z. B. Bernard A. Lietaer) konnte eine Deflation auch durch komplementare Wirtschaftskreislaufe, z. B. durch Tauschringe und/oder Komplementargeld (z. B. Freigeld), bekampft werden. Durch die Tauschwertstabilitat des zinslosen Freigeldes bzw. der geldlosen Tauschringe kame - so die Meinung einer Minderheit - die Wirtschaft in bestimmten Sektoren wieder in Schwung, auch wenn die zentrale Zinspolitik die Deflation nicht oder nicht wirksam aufhalten kann.
Deflationen in der Geschichte
Globale Deflation 1930
Die letzte grosse weltweit wirksame Deflation gab es 1930. Verantwortlich dafur waren der Schwarze Donnerstag an den US-Borsen und die damalige Bindung der Geldmenge an das Gold. Besonders dramatisch waren die Auswirkungen in Deutschland, da das umlaufende Geld zu 40% durch Gold und Devisen gedeckt sein musste (siehe Deflationspolitik). Die eigenen Probleme veranlassten die USA, ihre hohen Kredite an Deutschland zuruck zu fordern. Da diese Schulden hauptsachlich in Gold beglichen wurden, sank die angepasste Geldmenge drastisch. Der Geldumlauf verringerte sich folglich ebenso schnell. Die Gehalter sanken, die Preise brachen ein und die Arbeitslosigkeit stieg auf mehr als 6 Millionen. Das waren damals 20% der Erwerbsbevolkerung!
Deflation in Japan Ende der 1990er
Ab Mitte der 1990er litt Japan unter kaum noch steigenden, tendenziell sogar fallenden Preisen verbunden mit einer starken Rezession und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Als Ausloser fur die japanische Krise werden i. A. die Finanzmarkte gesehen. So stieg der japanische Aktienindex Nikkei zwischen 1985 und 1989 von 13.000 auf uber 35.000 Punkte - der Preis einer durchschnittlichen japanischen Aktie verdreifachte sich fast innerhalb von nur vier Jahren. Ahnlich wie die Aktienkurse entwickelten sich auch andere Vermogenspreise – z. B. fur Immobilien und Grundstucke. Die meisten Okonomen deuteten dies als eine spekulative Blase, die sich zuerst ausdehnte und dann platzte.
In der Folge fiel der Nikkei-Index von 1990 bis 1992 auf 16.000 Punkte. Offensichtlich fuhrte der enorme Vermogensanstieg in den 1980ern zu einem Boom bei der Nachfrage nach japanischen Waren und Dienstleistungen, dem jedoch nach dem Platzen der Blase eine nicht minder starke Rezession folgte; die starken Verluste der Vermogenspreise (wie Aktien oder Immobilien) veranlassten die japanischen Konsumenten zu einem wesentlich starkeren Sparverhalten. Die daraus folgende Konsumzuruckhaltung fuhrte zu einer Unterauslastung der Produktionskapazitaten und der oben beschriebenen Deflationsspirale.
Der japanische Staat reagierte zeitverzogert mit einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik. Allerdings gelang ihm dadurch keine nennenswerte Besserung der Lage, so dass die Moglichkeiten beide Wirtschaftspolitiken relativ rasch erschopft waren; die Zentralbankzinsen lagen in Japan uber Jahre nahe oder bei null und Japan ist heute aufgrund seines Deficit spending das mit Abstand am starksten (offentlich) verschuldete Industrieland der Welt.
Eine teilweise Beendigung der Krise gelang erst 2003 und 2004 durch eine konsequente Restrukturierungspolitik verbunden mit dem Aufkauf fauler Kredite durch die Zentralbank.
Deflation in Argentinien 2001
Argentinien hatte zu Beginn des neuen Jahrtausends grosse Probleme mit seinem Wechselkurssystem, einem Currency Board, uber das sich das Land an den US-Dollar gebunden hatte. Eine schwere Wirtschaftskrise in Folge der Asienkrise ab 1998 hatte die Anleger skeptisch gegenuber Argentinien und dem Argentinischen Peso als Anlagemoglichkeit gemacht. Das in der Folge abgezogene auslandische Kapital verscharfte die Krise und zwang das argentinische Currency Board zu einer kontinuierlichen Erhohung der inlandischen Zinsen, um weiterhin Zugang zu den Kapitalmarkten zu behalten. Die Hochzinspolitik brachte aber Konsum und Investitionen zum Einbruch und fuhrte zu einem starken Ruckgang der Preise. Anfang 2002 musste Argentinien seine Wechselkursbindung aufgeben.
Siehe auch
- Depression (Deflation verbunden mit starker Rezession)
- Inflation (Ansteigen der Preise)
- Stagflation (Inflation verbunden mit einer Rezession)
- Reflation (durch aggressiv expansive Geldpolitik bewusst herbeigefuhrte Inflationierung zur Vermeidung von Deflation)
- Disinflation (Verlangsamung des Anstiegs der Preise)
Kategorie:Geld und Kredit
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